Als Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) der Philipps-Universität Marburg verurteilen wir die Morddrohungen und Anfeindungen, die eine Professorin unserer Universität in den vergangenen Monaten erreicht haben, auf das Schärfste. Bedrohungen, Einschüchterungsversuche und Hass haben keinen Platz an unserer Universität und stellen einen Angriff auf die Sicherheit der Betroffenen sowie auf die Grundlagen eines offenen und demokratischen Hochschullebens dar.
Zugleich wirft dieser Fall die Frage auf, warum es erst Morddrohungen und massive Anfeindungen solchen Ausmaßes bedarf, damit die Universität öffentlich Stellung bezieht. Es darf nicht sein, dass Betroffene über Jahre hinweg auf die Zuspitzung von Bedrohungen aufmerksam machen, ohne dass daraus sichtbare und wirksame Konsequenzen folgen. Eine Hochschule sollte nicht erst dann Haltung zeigen, wenn die Eskalationsstufe bereits erreicht ist. Sie trägt die Verantwortung, sich frühzeitig und unmissverständlich gegen jede Form von Hass und menschenfeindlichen Angriffen zu positionieren und Betroffene konsequent zu unterstützen. Zudem möchten wir betonen, dass das Offenlegen rechter Strukturen an unserer Universität nicht mit Morddrohungen gleichzusetzen ist. Die zeitgleiche Behandlung beider Themen im Statement der Universität kritisieren wir scharf.
Wir erwarten daher von der Universitätsleitung, dass sie ihre Verantwortung ernst nimmt, Schutz- und Unterstützungsstrukturen stärkt und deutlich macht, dass Bedrohungen gegen Mitglieder unserer Hochschulgemeinschaft niemals toleriert werden. Darunter fällt auch eine klare Positionierung gegen rechte Strukturen innerhalb der Hochschule. Die Universität muss klare, transparente und verbindliche Verfahren etablieren und konsequent umsetzen, die Betroffene schützen, Hinweise ernst nehmen und Bedrohungslagen frühzeitig begegnen. Dazu gehört sowohl die Begleitung von Betroffenen, eine eindeutige Zuständigkeitsregelung und Kommunikation darüber, welche Schritte eingeleitet werden, als auch eine klare Positionierung gegen rechte Strukturen innerhalb der Hochschule.
Unsere Solidarität gilt der betroffenen Professorin Christina Brüning und ihrer Arbeitsgruppe. Niemand sollte aufgrund der eigenen wissenschaftlichen Arbeit oder der öffentlichen Positionierung um die eigene Unversehrtheit fürchten müssen.