Tarifeinigung in Hessen: Hochschulen und Land setzen weiterhin auf prekäre studentische Beschäftigung

Auch nach der Tarifeinigung bleibt die Situation studentischer Beschäftigter in Hessen prekär. Land und Hochschulen halten am bestehenden System fest und blockieren strukturelle Verbesserungen.

In der dritten Verhandlungsrunde zum Tarifvertrag im öffentlichen Dienst des Landes Hessen wurde die Fortschreibung der bisherigen schuldrechtlichen Vereinbarung für studentische Beschäftigte beschlossen. Diese sieht weiterhin in der Regel Vertragslaufzeiten von einem Jahr sowie grundsätzlich zehn Mindestwochenstunden vor.

Zudem wurde eine Erhöhung der Entgelte auf 15,20 Euro zum Wintersemester 2026/27 (1. Oktober 2026) vereinbart sowie eine weitere Steigerung auf 15,90 Euro zum Wintersemester 2027/28 (1. Oktober 2027).

Gleichzeitig wurde in den Verhandlungen eine klare politische Linie deutlich: Das federführende Innenministerium versteckt sich hinter den Hochschulleitungen. Diese lehnen einen Tarifvertrag weiterhin aus ideologischen Gründen kategorisch ab und argumentieren offen mit einem bewussten und systematischen Bruch von Arbeitsrechten. Ihr Ziel ist es, den rechtsfreien Raum für studentische Beschäftigung aufrechtzuerhalten.

Als ehrenamtliche Mitglieder der gemeinsamen Verhandlungskommission TVStud von ver.di und GEW ist es uns dennoch bis zuletzt gelungen, die Frage nach einem Tarifvertrag vehement offen zu halten. Dass dies überhaupt möglich war, ist nicht zuletzt der Unterstützung unserer Gewerkschaften zu verdanken.

Zugleich unterstellen die Hochschulen, dass studentischen Hilfskräften ihre Arbeitsbedingungen egal seien. Als Verhandlungskommission ziehen wir daraus eine eindeutige Konsequenz: Wenn sich die Situation studentischer Beschäftigter nicht weiter verschlechtern soll, müssen wir uns in lokalen Initiativen und gewerkschaftlich an den Hochschulen organisieren.

Nur durch eine starke Basis, gemeinsamen und übergewerkschaftlichen Druck kann perspektivisch ein echter Tarifvertrag und damit eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden.

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