Home    ||    FAQ    ||    Literatur    ||    Über uns    ||    Kontaktstellen

Über Uns

Das autonome Referat für Arbeiter*innenkinder und Armutsbetroffene [AKAB] stellt die politische Interessensvertretung von Klassismus-Betroffenen an der Uni Marburg. Wir arbeiten selbstorganisiert, basisdemokratisch und antikapitalistisch. Das AKAB versteht sich dabei nicht als Aufstiegsförderung, sondern setzt sich für ein Bildungssystem ohne soziale Selektion ein, in dem Menschen selbständig über ihren Bildungsweg entscheiden können. Denn fehlender Zugang zu akademischer Bildung ist kein individuelles Versagen, er wird Bildungsbenachteiligten systematisch verwehrt.

DEINE BILDUNG, DEINE ENTSCHEIDUNG!

Werte und Ziele

Das AKAB ist selbstorganisiert und basisdemokratisch: Unsere Referenti werden direkt von den Bildungsbenachteiligten der Uni Marburg gewählt. Entscheidungen treffen wir gemeinsam im Plenum. Auf diesem Weg stellen wir Betroffenen Strukturen bereit, um sich zu organisieren und gemeinsam politisch zu handeln. Dabei verstehen wir uns nicht als Karrierereferat oder ‘Aufstiegsförderung’. Mit unserer Arbeit möchten wir stattdessen den ‘Aufstiegsmythos’ dekonstruieren und uns dem Leistungsprinzip entgegenstellen. Neoliberale Glaubenssätze, die besagen, dass Betroffene sich nur genügend anstrengen müssen, damit es mit dem vermeintlichen ‘Aufstieg’ klappt, sind schlichtweg falsch. Fehlender Zugang zu akademischer Bildung ist kein individuelles Versagen, er wird Bildungsbenachteiligten systematisch verwehrt. Meritokratie individualisiert Verantwortung nach dem Motto ‘selbst schuld’ und lenkt so von strukturellen Ursachen ab. Aus unserer Sicht reicht es aber nicht aus, die Symptome struktureller Diskriminierung, etwa durch individuelle Beratung, abzufedern. Die kapitalistischen Strukturen, die soziale Ungleichheit hervorbringen, müssen immer mitbenannt und bekämpft werden. Das macht betont politische und selbstorganisierte Strukturen von Studierenden mit nicht-akademischer (Bildungs-)Herkunft an der Philipps-Universität notwendig. Unser Fokus liegt daher auf Projektarbeit und Organizing.

Wenn es um Bildungsbenachteiligung geht, wird zudem häufig der Bildungstrichter angeführt. Er belegt, dass die Bildungsbiographie maßgeblich von der Klassenherkunft abhängt. Für uns zeigt er, dass Menschen nicht selbstbestimmt über ihren Bildungsweg entscheiden können. Allerdings wird der Befund oft als Akademisierungsanlass verstanden: Universitäten nutzen ihn, um Akquise unter Arbeiter*innenkindern zu betreiben. Vollkommen ausgeblendet wird dabei die Erwartung an Akademiker*innenkinder, ein Studium zu absolvieren. In öffentlichen Debatten geht es immer nur um den vermeintlichen ‘Aufstieg’ durch ein Studium. Zu Anreizen für Akademiker*innenkinder, eine Ausbildung zu beginnen, gibt es hingegen keine Forschung. Dieser Umstand macht die Werte-Hierarchie in unserer Gesellschaft deutlich: Ein Studium ist mehr wert als eine Ausbildung. Für Akademiker*innen steht eine Ausbildung stellvertretend für ‘sozialen Abstieg’. Diese Werte-Hierarchie möchten wir auflösen: Studium und Ausbildung sollten gleich viel wert sein. Dasselbe gilt für Menschen ohne Berufsabschluss. Unser Ziel ist keine höhere Studierendenquote, sondern die Selbstbestimmung über den eigenen Bildungsweg.

Darüber hinaus möchten wir Bildungsbenachteiligte vor dem Marketing der Philipps-Universität, von Stipendienprogrammen und anderen Akteur*innen schützen, die das neoliberale Aufstiegsversprechen bedienen. Denn Betroffene werden nicht selten als sogenannte ‘Bildungsaufsteiger*innen’ instrumentalisiert und vermarktet. Ihre ‘Aufstiegsgeschichten’ sollen den Eindruck erwecken, das Bildungswesen müsse nicht verändert werden, weil jede*r den ‘sozialen Aufstieg’ aus eigener Kraft schaffen könne. Statt auf individuelles Empowerment setzen wir auf kollektive Bildungsgerechtigkeit. Wesentlich ist, dass diese ‘Aufstiegsgeschichten’ oft auf einer defizitären Darstellung beruhen: Betroffene hätten einen Mangel an Kultur, Sprache und Bildung. Allerdings setzen Akademiker*innen die Normen für das, was als Kultur und Bildung gilt. Der ‘Aufstieg’ gelingt in diesen Erzählungen also durch Anpassung an diese Normen. Dabei haben Bildungsbenachteiligte ihre eigene Kultur. Problematisch ist, dass diese als Massengeschmack oder Populärkultur abgewertet wird. Ebenso verfügen sie über Bildung, werden jedoch in Bezug auf akademische Bildung benachteiligt. Denn mit Bildung ist meist nur Letzteres gemeint. Nicht-akademische Bildung wird folglich nicht als Bildung anerkannt. Wir kämpfen daher gegen die Normsetzung durch Akademiker*innen und reiche Menschen. Bildungsbenachteiligte sollten sich nicht an akademische Normen anpassen müssen, um zu studieren, etwa indem sie Fremdwörter auswendig lernen. Stattdessen muss die Universität ihre Sprache zugänglicher gestalten. Wir fordern von Akademiker*innen die Anerkennung unserer Bildung und Kultur.

Geschichte des AKAB

Das Referat ging aus einem 2018 gegründeten Arbeitskreis von drei Studierenden aus den Erziehungswissenschaften namens ‚Klassismus an der Hochschule Marburg‘ hervor und wurde im Wintersemester 2019/2020 in ein Referat umgewandelt. Das AKAB stellt somit das zweite Anti-Klassismus-Referat Deutschlands. Das erste Anti-Kla Referat namens FikuS aus Münster unterstützte uns freundlicherweise bei unserer Gründung. 

Zu Beginn war das AKAB allerdings kein autonomes Referat. Wir mussten uns mit einem diffusen Status der Teil-Autonomie zufrieden geben. Teil-Autonomie ist eine Art Autonomie auf Probe, bei der dem Referat nur die Hälfte des eigentlichen Haushaltes zustand. Auch die Vernetzung mit anderen autonomen Referaten wurde so erschwert. Außerdem ist es dem Student*innenparlament möglich, teil-autonome Referate wieder abzuschaffen. Am 22.11.23 erhielten wir endlichen unsere Autonomie vom Student*innenparlament. 

2026 wurde der Name des Referates von SoFiKuS [sozial, finanziell und kulturell benachteiligte Studierende] in AKAB [Referat für Arbeiter*innenkinder und Armutsbetroffene] geändert, um dem Anspruch einer zugänglichen Sprache gerechter zu werden.

In unseren Veröffentlichungen kannst du noch mehr über das AKAB erfahren. 

Veröffentlichungen des AKAB

(Hg.) FikuS-Referat (2019). SOFIKUS MARBURG. In: Dishwasher - Magazin von und für Arbeiter*innenkinder, 3. Ausgabe, 44-45. Münster: FikuS-Referat. Abrufbar unter: https://dishwasher-magazin.de/der-dishwasher-ist-zurueck/

(Hg.) Seeck, Francis | Theißl, Brigitte (2020). Interview mit SoFiKuS-Referent*innen. In: Solidatisch gegen Klassismus - organisieren, intervenieren, umverteilen, 189–197. Münster: Unrast. 

Schultheis, Joshua (2021). Arbeiterkinder aller Hochschulen, vereinigt euch! Redaktion bbz – Berliner Bildungszeitschrift der GEW Berlin. Abrufbar unter: https://www.gew.de/aktuelles/detailseite/arbeiterkinder-aller-hochschulen-vereinigt-euch

Kücken, Elija Ash (2025). „Existenzängste lassen einen niemals los“ – Interview mit dem SoFiKuS. PHILIPP - studentisches Magazin um Stadt und Uni Marburg. Abrufbar unter: https://philippmag.de/interview-mit-dem-sofikus 

AKAB (2026). Positionspapier: Kritik an ArbeiterKind.de - Warum das AKAB nicht mit Arbeiterkind.de zusammenarbeitet. Abrufbar unter: https://asta-marburg.de/news-detail/news/kritik-an-arbeiterkindde-warum-das-akab-nicht-mit-arbeiterkindde-zusammenarbeitet/

Wahl zur*zum Referent*in

Referent*innen sind die politische, studentische Interessensvertretung von Bildungsbenachteiligten an der Uni Marburg. Um Referent*in zu werden müsst ihr euch zur Wahl aufstellen lassen. In der Regel finden die Wahlen einmal im Jahr statt. Dafür wird eine Mitgliedervollversammlung (kurz MVV genannt) einberufen. Vorteile: 

  • Bezahlung: Aufwandsentschädigung (AE) der öffentlichen Kasse in Höhe von 100-250 Euro
  • AE kann bis 250 Euro steuerfrei über die Minijobgrenze hinaus verdient werden und wird nicht auf’s BAföG angerechnet (Angaben ohne Gewehr)
  • Falls sich euer komplettes Einkommen unter dem gesetzlichen Steuerfreibetrag bewegt, könnt ihr mittels einer Steuererklärung außerdem die Steuern auf eure AE zurück erhalten.
  • Fragt bei eurem Institut/Praktikumsstelle nach, ob ihr euch, bei thematischer Passung zu eurem Studiengang, die Referatsarbeit als Praktikum und/oder als Projektstudium anrechnen lassen könnt.
  • Durch das Engagement als Referent*in besteht außerdem die Möglichkeit, einen Antrag auf Verlängerung des BAföG-Bezugs über Regelstudienzeit zu stellen.

Wie viel Arbeit das Referat macht ist von eurem eigenen Tatendrang abhängig. Alle Referentis können ihre Arbeitszeit und Projekte frei gestalten. Ihr könnt von zuhause aus arbeiten, das Großraumbüro im AStA oder den AKAB-Raum nutzen. Unter dem Semester finden in der Regel wöchentliche Plena statt. Mögliche Aufgabenbereiche sind…

  • Projektarbeit
  • die Organisation von Workshops
  • Austauschtreffen für Betroffene
  • Öffentlichkeitsarbeit 
  • das Abhalten von Sprechstunden
  • die Aktualisierung unserer Bibliothek
  • die Vertretung des AKAB bei Einladungen 

Weitere Informationen zum Ablauf der Wahl findet ihr in unserer Satzung.

Kontakt • contact

E-Mail
email
akab(at)asta-marburg.de
Raum
office
Wilhelm-Röpke-Str. 6 (PhilFak), Raum 010 (EG)
Instagramakab_marburg
E-Mail-Verteiler
mailing list
Anmeldung

Satzung:

Für unsere aktuelle Satzung hier klicken. 

Protokoll VV:

Für das Protokoll der letzten Vollversammlung hier klicken.

Home    ||    FAQ    ||    Literatur    ||    Über uns    ||    Kontaktstellen